News | Österreich
Der Polarjet im Sommer

Der Polarjet im Sommer

Der Polarjet über der Nordhalbkugel ist ein Starkwindband in großen Höhen der Atmosphäre. Er verläuft polumlaufend um die Erde und verschiebt sich im Sommerhalbjahr von Südeuropa nach Nordeuropa.

Entstehung des Polarjets

Der Polarjet bildet sich an der Grenze zwischen kühler Polarluft und deutlich wärmerer Luft der Subtropen und verläuft je nach Großwetterlage meist zwischen 40° und 60° geographischer Breite rund um die Nordhalbkugel. Die Position und teils auch die Ausrichtung des Jets können allerdings stark variieren. Das Maximum der Windgeschwindigkeiten wird zwischen 8 und 12 Kilometer Höhe erreicht und liegt häufig über der 250-km/h-Marke, über Japan wurden 1970 sogar bis zu 650 km/h gemessen. Das jahreszeitliche Maximum der Windgeschwindigkeit wird im Winter erreicht, wenn die Temperaturgegensätze zwischen Nord und Süd am größten sind. Der Polarjet ist eine Geburtsstätte für Tiefdruckgebiete und hat somit direkten Einfluss auf das Wetter.

Der Polarjet im Sommer

Im Winter verläuft die Grenze zwischen der kühlen Polarluft und den subtropischen Luftmassen generell südlicher als im Sommer, weshalb sich der Polarjet häufig im Mittelmeerraum befindet. Im Frühling verschiebt sich diese Grenze langsam nordwärts, wobei der bereits hohe Sonnenstand weiterhin für markante Temperaturkontraste über Europa sorgen kann. Diese Zeit des Jahres ist daher besonders anfällig für wechselhafte und phasenweise auch tiefdruckbestimmte Wetterbedingungen. Im Juli und August breiten sich die warmen Luftmassen dann meist auf weite Teile des Kontinents aus, weshalb der Polarjet in dieser Jahreszeit im Mittel sehr weit nördlich verläuft. Dies ermöglicht es den subtropischen Hochdruckgebieten, sich auf Zentraleuropa auszuweiten, was hier zu länger anhaltenden stabilen Wetterbedingungen führt.

Kühle Woche

Am Freitag bringt ein Hochdruckgebiet namens WINNIE mit Kern über dem Ostatlantik besonders im Süden und Westen Deutschlands sowie im Alpenraum überwiegend sonniges Sommerwetter. Der Nordosten Deutschlands liegt hingegen unter dem Einfluss eines Tiefs über dem Baltikum und im Bereich des Polarjets stellt sich relativ kühles, windiges und wechselhaftes Wetter ein. Am Samstag zieht ein weiteres Tief von Skandinavien in Richtung Ostsee und im Vorfeld der dazugehörigen Kaltfront wird es im Alpenraum nochmals sommerlich heiß. Ab dem späten Nachmittag werden hier dann teils kräftige Gewitter zum Thema. Am Sonntag verlagert sich der Polarjets in Richtung Alpenraum und kommende Woche stellt sich in Mitteleuropa auf den kalten Seite des Polarjets vergleichsweise kühles Sommerwetter ein.

An diesem Wochenende verläuft der Polarjet direkt über Mitteleuropa
An diesem Wochenende verläuft der Polarjet direkt über Mitteleuropa. © UBIMET

Gespaltener Jet im 2018

Vergangenes Jahr sorgten ein starkes Azorenhoch über dem Atlantik sowie zahlreiche Tiefdruckgebiet über Südwesteuropa für einen in zwei Teile gespaltenen Jetstream über Europa. Der nördliche Ast – der Polarjet – lag im Mittel über der Norwegischen See und der Barentssee, der südliche Ast hingegen über dem Mittelmeerraum. Letzterer wird auch Subtropen-Jet bezeichnet und ist im Normalfall nur im Winter ausgeprägt.

Besonders im Mittelmeerraum ist das Westwindband stärker als im Mittel.
Positive Anomalie des Westwindbands im Mittelmeerraum im Juli 2018.

Im Zwischenbereich konnten sich im Jahr 2018 wiederholt Hochdruckgebiete etablieren, somit gab es auf den Britischen Inseln sowie in Skandinavien ungewöhnlich heißes Sommerwetter. Im Gegensatz dazu präsentierte sich das Wetter im Mittelmeerraum sowie im Bereich der Alpen von seiner wechselhaften Seite.