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Windiges Wien – eine Winterstatistik

Windiges Wien – eine Winterstatistik

Wien ist ein windiges Pflaster. Das merkt man nicht erst auf der Donauplatte, wo der Wind durch die Häuser stark kanalisiert wird und besonders stürmisch weht. In der ganzen Stadt muss man damit zurecht kommen. Der bisherige Jänner war besonders windig, wir schauen daher auf ein paar Statistiken.

Die Erklärung für die windigen Wochen in Wien findet sich in der festgefahrenen Großwetterlage: Über den Britischen Inseln und dem östlichen Atlantik liegt ein kräftiges Hochdruckgebiet. Dieses lenkt alle Tiefs im Uhrzeigersinn um seinen Kern herum. Kommt nun also ein Tief vom Atlantik und möchte mit milder und feuchter Luft nach Mitteleuropa ziehen, wird es vom Hoch daran gehindert. Das Tief muss also den „Umweg“ an der Nordflanke des Hochs nehmen und zieht dann von Skandinavien nach Polen und Weißrussland. In den Nordalpen hatte dies die andauernden Schneefälle zur Folge. In Wien hingegen hat dies zur Konsequenz, dass seitdem mit jedem dieser Tiefs der West- bis Nordwestwind stürmisch auffrischte.

Das ganz große Sturmereignis war zwar bisher nicht dabei, Böen über 100 km/h zum Beispiel wurden in diesen Winter in Wien noch nicht erreicht (zuletzt im Oktober 2018). Markant in jedem Fall ist die Anzahl der stürmischen Tage in der Bundeshauptstadt. Hier ein kleiner Vergleich des Jänners bislang mit den Jännermonaten der vergangenen Jahre:

Monat
Tage mit stürmischen Böen
(> 62 km/h)
max. Windböe
Jänner 2019 (01. bis 15.) 11 94 km/h
Jänner 2018 8 86 km/h
Jänner 2017 6 104 km/h (Orkan Axel)
Jänner 2016 5 94 km/h
Jänner 2015 9 97 km/h
Jänner 2014 1 65 km/h
Jänner 2013 5 94 km/h
Jänner 2012 10 83 km/h
Jänner 2011 4 72 km/h
Jänner 2010 2 76 km/h
Jänner 2009 1 83 km/h
Jänner 2008 7 104 km/h (Orkan Paula)
Jänner 2007 18 122 km/h (Orkan Kyrill)

 

Wir erleben also definitiv den windigsten Jänner seit 12 Jahren, doch selbst die 18 Tage mit stürmischen Böen anno 2007 könnten theoretisch heuer noch übertroffen werden. Es ist ja erst bei Jännerhalbzeit. Was auch auffällt: Die Schwankungsbreite, ob ein Jänner nun besonders stürmisch ist oder doch eher ruhig, ist in den betrachteten 12 Jahren sehr hoch.

Wie viele Tage mit Sturm und Wind konnten in den letzten drei bis vier Monaten verzeichnet werden? Wie stark war die heftigste Sturmböe? Im Vergleich zu den Vorjahren: Wie viele stürmische Tage gab es im Vergleichszeitraum? Betrachten wir nun die vergangenen 3 Monate:

Monate
Tage mit stürmischen Böen
(> 62 km/h)
max. Windböe
NOV/DEZ/JÄN 2018/2019 (bis 15.01.19) 19 94 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2017/2018 25 94 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2016/2017 14 112 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2015/2016 14 104 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2014/2015 18 101 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2013/2014 14 86 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2012/2013 9 94 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2011/2012 17 90 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2010/2011 11 86 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2009/2010 9 79 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2008/2009 13 115 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2007/2008 16 104 km/h
NOV/DEZ/JÄN 2006/2007 25
122 km/h

 

Über diesen etwas längeren Zeitraum relativiert sich alles ein wenig, ganz einfach weil diesen Winter bis Mitte Dezember nur wenige stürmische Tage dabei waren. Aber auch hier gilt: der Jänner hat ja noch zwei Wochen, in denen die Bilanz von bislang 19 stürmischen Tagen noch aufgefettet werden kann.

Betrachtet man  eine etwas größere Skala, Frage „Wird es in Wien immer windiger über die vergangenen Jahrzehnte?“ – Im Folgenden sieht man einen Vergleich der Klimamittelwerte gültig für die Station Wien-Hohe Warte:

Klimaperiode Tage pro Jahr mit kräftigem Wind (mittlere Windgeschwindigkeiten > 39 km/h) Tage pro Jahr mit stürmischem Wind (mittlere Windgeschwindigkeiten > 62 km/h)
1961-2000 34 3
1981-2010 43 7

 

Der Trend in Wien scheint also langsam in die Richtung „windiger“ zu gehen. Aber natürlich wird es auch in Zukunft neben stürmischen Wintermonaten sehr ruhige geben – wenn zum Beispiel ein kräftiges Hochdruckgebiet mit kalten Luftmassen vorherrschend sein sollte.

 

Titelbild: Wien-Donau-City @ Photo on VisualHunt

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