Später Frost

Später Frost. Bild: Oleg Lopatkin, shutterstock

11.05.2016

Was sind die Eisheiligen?

„Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder“, heißt es in einer von vielen alten Bauernregel. Doch was hat es damit auf sich?

Im Mittelalter, zu jener Zeit, in der man annimmt, dass diese Regeln ihren Ursprung haben, war die gläubige, vorwiegend bäuerliche Bevölkerung von spätem Frost besonders durch Ernteeinbußen betroffen. Selbst bis in das 19. Jahrhundert herauf konnten zum Termin der Eisheiligen regelmäßig Kaltlufteinbrüche beobachtet werden. Die Ehrfurcht vor diesem Witterungsphänomen hat die Menschen damals dazu veranlasst, ihnen die Gedenktage von Heiligen und Märtyrern zuzuordnen. Je nach Region sind das unterschiedlich 3 bis 5 Eisheilige:

1. Mamertus, Bischof von Vienne – 11. Mai
2. Pankratius, frühchristlicher Märtyrer – 12. Mai
3. Servatius, Bischof von Tongeren – 13. Mai
4. Bonifatius, frühchristlicher Märtyrer – 14. Mai
5. Sophia „Kalte Sophie“, frühchristliche Märtyrerin – 15. Mai

Meteorologische Singularität

Die Eisheiligen, auch gestrenge Herren genannt, sind aus meteorologischer Sicht eine sog. Singularität, also ein Ereignis, welches wiederholt auftritt und mit einer Wahrscheinlichkeit von deutlich mehr als 50 Prozent aus der Reihe tanzt. Zwar ordnet man ihnen fixe Termine zu, das sind jene vom 11. bis zum 15. Mai, derart geregelt verhält es sich mit dem zu dieser Jahreszeit gehäuft auftretenden Kaltluftvorstoß aus dem hohen Norden dann aber doch nicht.

Kalenderreform entscheidend

Zahlreiche Bauernregeln zu den Eisheiligen stammen aus einer Zeit, als noch der julianische Kalender gültig war. Mit der Kalenderreform - Wechsel zum gregorianischen Kalender - haben sich auch diese Termine nach vorne verschoben. Astronomisch gesehen liegen sie also nun zu früh im Jahr. Der tatsächlich gültige Zeitraum sind eigentlich die Tage vom 19. bis zum 23. Mai. Die Natur nimmt es aber nie so genau und so können Kaltlufteinbrüche, die jeweils eine Woche vor bzw. nach dem alten Termin eintreten, den Eisheiligen zugeordnet werden.

Wahrscheinlichkeit abnehmend

Zuletzt sind die Eisheiligen oft ganz ausgeblieben. Man muss diesbezüglich natürlich auch die Klimaveränderung berücksichtigen. Auch wenn es zu Kaltlufteinbrüchen kommt, die damit verbundene Frostgefahr ist deutlich rückläufig. Oft war es in den letzten Jahrzehnten sogar umgekehrt, statt der Eisheiligen hat sich aus einer Süffisanz heraus der Begriff der „Schweißheiligen“ entwickelt.