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Temperaturabweichungen (braun und rot = positiv) in der Arktis in den kommenden Tagen. Bild: Climate Reanalyzer, http://cci-reanalyzer.org

24.10.2016

"Warme" Arktis

16 global wärmste Monate in Folge sowie der global zweitwärmste September 2016 gingen - zumindest indirekt - auch an der Arktis nicht spurlos vorüber. Vor allem aber zeigen Wettermodelle seit Anfang Oktober wiederholt großräumige Vorstöße warmer Luft aus den gemäßigteren Breiten in Richtung Polarregion, was überdies einen Einfluss auf die Eisbedeckung hat.

Drastische Temperaturanomalien

Durch Überlagerung der für mittlere, gemäßige Breiten typischen Westwinddrift mit der sogenannten Polarfront, die wärmere Luftmassen von kalter Polarluft trennt, kommt es zu großräumigen atmosphärischen Wellenbewegungen, welche polare Luft nach Süden und im Gegenzug warme Luft  nach Norden transportiert. Diese sogennannten planetaren Wellen sind im laufenden Oktober deutlich ausgeprägt und waren etwa in der ersten Monatshälte so positioniert, dass an der Westseite eines Hochdruckgebietes über Skandinavien außerordentlich milde Luftmassen in Richtung Polarregionen strömte, auch im nördlichen Pazifikraum stießen warme Luftmassen weit in den Norden vor. Aktuelle Wettermodelle zeigen nun in den nächsten Tagen erneut sehr große positive Temperaturabweichungen im Bereich der Arktis von teils 10 bis stellenweise über 15 Grad. Die größten Anomalien sind von der nördlichen Beaufortsee bis zur Ostsibirischen See auszumachen, aber auch von der nördlichen Grönlandsee bis zum Franz-Josef-Land sind die Abweichungen beachtlich.

Auswirkungen auf das Meereis

Trotz global gesehen zweitwärmsten September nahm das Meereis nach Erreichen des jährlichen Minimums am 10. September bis Ende des Monats recht schnell zu, doch seit Anfang Oktober dehnt sich dieses nur noch sehr, sehr langsam aus. Grund unter anderem die angesprochene wiederholte markante Warmluftzufuhr in den hohen Norden. Mittlerweile hat die aktuelle Meereisausdehnung trotz der seit schon seit einem Monat andauernden Polarnacht bzw. polaren Dämmerung den bisher niedrigsten Wert zu diesem Zeitpunkt aus dem Jahr 2012 bereits unterboten. Dazu folgende Grafik.

eis2 Bild: http://nsidc.org