Longyearbyen auf Spitzbergen

Longyearbyen auf Spitzbergen         Bild: www.shutterstock.com, Natalia Davidovich

08.11.2016

Überflutungen auf Spitzbergen

Longyearbyen, so heißt die Hauptstadt von Spitzbergen, die am Montag (7.) zum Teil evakuiert werden musste. Der Grund dafür ist ziemlich außergewöhnlich: Regen. Ab Ende Oktober herrscht auf der Insel, die im hohen Norden zwischen Grönlandsee und Barentssee liegt, die Polarnacht und die durchschnittlichen Temperaturen lägen unter -5 Grad.

Auf Spitzbergen regnet es bereits seit Montagmorgen, 7. November so richtig intensiv. Zuvor fiel noch etwas Schnee. Das Skurrile an der Sache ist: Es sollte dort um diese Jahreszeit eigentlich gar nicht regnen. Das macht ein wenig hellhörig und lässt, wie so oft dieser Tage, vollkommen zurecht die Frage nach den Auswirkungen der globalen Erwärmung durch den Klimawandel aufkommen.

Die durchschnittlichen Temperaturen im November liegen in Longyearbyen dem langjährigen Mittel nach zwischen -5 und -8 Grad, zudem herrscht an 28 Tagen Frost. Es sind also nur wenige Tage, an denen die Temperaturkurve über der 0-Grad-Marke bleibt.

Nun jedoch wurden Teile der Hauptstadt aus Sicherheitsgründen evakuiert, die Behörden sahen sich angesichts der enormen Regenmengen und der daraus resultierenden Überflutungs- und Erdrutschgefahr dazu gezwungen.

Die Unwetter mit Sturm und heftigem Regen sind in diesen Stunden bereits wieder überstanden. Longyearbyen hatte Glück, bis jetzt gab es zwar eine Mure (Hangrutschung), aber noch keine gröberen Überflutungen. Somit dürfte die Hauptgefahr bereits wieder großteils gebannt sein.

Wie die Wettermodelle zeigten, waren bis heute Dienstag in Summe an die 100 Liter pro Quadratmeter an den westlichen Gebirgsflanken prognostiziert. Dabei beträgt die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge nur 200 bis 300 Liter p. Q., also relativ wenig und der größte Anteil davon als Schnee. Zudem hat die Insel bedingt durch das raue Klima keine nennenswerte Vegetation, die das Regenwasser zurückhalten könnte. Die Böden haben somit nur wenig Speichervermögen, das Wasser fließt einfach ab.

Akkumulierter Niederschlag         Bild: UBIMET, ECMWF-World

Zuletzt gab es erst im Oktober Probleme durch Erdrutsche auf der Polarinsel, die Großwetterlage scheint also System zu haben.

Was führte zu diesen enormen Regenmengen?

Kurz und bündig gesagt, eine milde Südwestströmung. Diese stellte sich zwischen einem Hoch über Nordskandinavien und Tiefdruckgebieten westlich von Island ein. Dabei war die Luftdruckverteilung über dem gesamten Nordatlantik so ausgerichtet, dass Luftmassen aus dem Bereich der Karibik es bis in den hohen Norden geschafft haben. Natürlich kommt diese auf Spitzbergen nicht mit derselben Temperatur an, da sie auf ihrem Weg abkühlt, dennoch lagen die Temperaturen um 10 bis 15 Grad über den Normalwerten. Nach dazu ist diese Luft aus tropischen Gefilden gespickt voll mit Feuchtigkeit, es hatte sich also ein regelrechtes Feuchte-Förderband eingestellt. Die Schneefallgrenze stieg auf über 500 m Seehöhe an und in Kombination mit stürmischem Südwestwind wurde das gesamte Wasser der unteren Atmosphäre an den Westflanken der Gebirge Spitzbergens förmlich ausgepresst.