Morgenfrost

Morgenfrost Bild: UBIMET

15.05.2016

Die Eisheiligen: wie oft treffen sie zu?

Die Eisheiligen gehören sicher zu den bekanntesten Bauernregeln. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie sollen vom 11. bis 15. Mai mit Kälte und Frost den Wonnemonat unsicher machen. Lässt sich diese Regel aus der realen Wetterstatisik wirklich herauslesen ?

Mit den Eisheiligen sind in Norddeutschland die Tage vom 11. bis 15. Mai gemeint, in Süddeutschland und in Österreich gehören jene vom 12. bis 15. Mai zu den Eisheiligen. Dass diese nach Süden zu einen Tag später beginnen, wird mit dem allmählichen Vorrücken der Kaltluft von Norden her erklärt.

Extrem selten Frost

Analysiert man Wetteraufzeichnungen, lässt sich feststellen, dass Frost im Mai in tiefen Lagen Deutschlands und Österreichs nicht besonders oft auftritt, im Schnitt nur alle paar Jahre einmal. Beispielsweise in Berlin etwa alle 5, in Wien alle 2 bis 3 Jahre, in Innsbruck passiert es immerhin 1 bis 2 Mal pro Jahr. Das gilt aber für den gesamten Mai. Dass Frost nun genau zu den Eisheiligen auftritt, ist nochmals viel seltener. Bodenfrost ist ein bisschen häufiger, kommt aber selbst in exponierten Lagen und Alpentälern nur ein paar wenige Mal im Mai vor, bezogen wieder auf den Zeitraum der Eisheiligen ist das erneut nicht sehr wahrscheinlich.

Dennoch Kälteeinbrüche

Die Analyse der Maitemperaturen fördert aber noch etwa anderes zutage. Bezogen etwa auf Österreich zeigt sich, dass es während der letzten 50 Jahre zwar nicht zu den Eisheiligen, wohl aber später, nämlich zwischen dem 20. und 25. Mai immer wieder zu Kälteeinbrüchen gekommen ist. Das ist insofern interessant, dass wenn man die Kalenderreform korrekterweise anwendet, die Eisheiligen etwa 10 Tage später stattfinden, also genau mit oben erwähnten Maitagen zusammenfallen.

Meteorologischer Hintergrund und Fazit

Kälteeinbrüche im Mai kommen zwar nicht immer vor, sind aber nichts Ungewöhnliches. In diesem Monat heizt sich der europäische Kontinent deutlich schneller auf als das umgebende Meer. An der Grenze von warmer und kalter Luft entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können. Es ist durchaus möglich, dass auf Grund von fixen Faktoren wie Sonnenstand und der Land-Meer-Verteilung dieser Mechanismus gehäuft zu diesen Kaltlufteinbrüchen in der zweiten Maihälfte führt.

Was aber nicht heißt, dass es dabei zu Frost kommen muss, denn der wird mit Fortschreiten des Monats immer unwahrscheinlicher und der Klimawandel tut sein übriges dazu. Auch wenn die Eisheiligen meist nicht, und wenn doch, dann nur extrem selten, zutreffen, in den Tagen danach ist die Frostgefahr im Flachland großteils gebannt. Das gilt allerdings nicht für alpine Hochtäler oder Tal- und Muldenlagen in den Mittelgebirgsregionen.